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Fasnachtsumfrage 12/2009: Wandel der Konstanzer Fasnacht

Die Konstanzer Fasnacht ist zugleich jung und innovativ sowie alt und traditionsbewusst. In unserer 12/2009er Umfrage wurde mehrfach auf neue Masken und Veranstaltungen hingewiesen. Meist wurden diese Innovationen positiv gesehen. Einmal wurden neuere auf hässlich getrimmte Masken kritisiert ein anderes Mal wird gelobt, dass die Fasnacht immer bunter, farbiger und vielfältiger werde. Zwei Antwortende freuen sich, dass der Trend weiter Richtung schöne alte Straßenfasnacht ginge.

Beliebigkeit versus Traditionspflege

Innovationen müssen kein Widerspruch dazu sein, dass man Traditionen aufrechterhält oder sich auf diese zurückbesinnt. In diesem Zusammenhang werden aber auch zwei klar gegenläufige Trends beschrieben. Zum einen, dass viele Jugendliche in der Fasnacht häufig ein x-beliebiges Event sähen, zum anderen, dass in der jüngeren Vergangenheit vermehrt Aktive aus den Fasnachtsvereinen in die Schulen gingen, um dort die Tradition der Fasnacht zu vermitteln. Hier wird also ein Problem gesehen, man steuert aber auch dagegen.

Alkohol und Gewalt

Recht einhellig werden gestiegener Alkoholkonsum und Gewalt kritisiert (vor allem, aber nicht nur unter Jugendlichen). Genauso wird mehrfach darauf hingewiesen, dass Alkoholexzesse nichts mit der Tradition und dem Brauchtum der Fasnacht zu tun hätten. Zweimal wurde die Ansicht geäußert, dass Polizei und Vereine dieses Problem in der jüngsten Vergangenheit etwas hätten zurückdrängen können.

Probleme nichts Neues

Wandelt sich die Konstanzer Fasnacht zur Zeit besonders stark oder eher nicht? Hier könnte ein Blick in die Vergangenheit lohnen:

Monika Karrer (1962) zitiert ein allgemeines Maskenverbot des Stadtrats aus dem Jahr 1535, mit dem Ziel allerlay schadens, ergerniss und sünden zu vermeiden. Um 1800 verbot die badische Regierung allen Erwachsenen das Tragen von Masken auf der Straße. In einer Polizeiverordnung aus dem Jahr 1797 heisst es: Die Eltern werden gewarnt, Kinder auf der Straße maskiert laufen zu lassen...Mit wahrem Befremden hat man nämlich festgestellt, dass...die hiesige Jugend in den Straßen vermummt oder mit dem größten Lärm ganz ungesehen unangenehm herumzettelt.

Probleme hat es also auch früher schon gegeben und selbst Fasnachtsverbote haben dem Brauchtum offenbar nicht allzu viel anhaben können.

moderne Maske
Traditionen im Wandel:
Masken und Straßenfasnacht

Niedergang und Aufschwung der Fasnacht

Für die schon zitierte Arbeit (1962) hat Frau Karrer auch eine Befragung zum Thema Wandel der Fasnacht durchgeführt: Viele haben zum Fasnachtsfeiern keine Zeit mehr. Früher, als, wie mir gesagt wurde, der ganze Lebensrythmus langsamer war, nahm man sich einfach Zeit für die Fasnacht... Allgemein wurde aber festgestellt, dass in den letzten zwei Jahren die Fasnacht wieder einen Aufschwung bekommen hat, der jede Untergangsprognose für ungültig erklärt. Ein weiteres Ergebnis von Frau Karrers Umfrage war, dass die Älteren den Jüngeren weniger als früher die Tradition der Fasnacht vermitteln würden und diese die Fasnacht verstärkt durch Eigenerfahrung erlernten. Frau Karrer schrieb auch deshalb den Vereinen eine wichtige Rolle bei der Wahrung der Traditionen zu. Daran dürfte sich bis heute wenig geändert haben.

Für eine kreative Fasnacht, gegen Gewalt

In unserer 12/2009er Umfrage schreibt ein Mäschgerle, Fasnacht sei nicht wie Fernseh gucken, man müsse Begeisterungsfähigkeit und Kreativität mitbringen, wenn die Fasnacht gelingen solle. Bisher sei ihm dies immer gelungen. Ein ähnlicher Geist spricht aus vielen Antworten auf unsere Fasnachtsumfrage. Vielfach kommt ein klarer Wille zum Ausdruck, sich die traditionelle Fasnacht nicht durch unangenehme Begleiterscheinungen kaputt machen zu lassen.