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Pfahlbauten am Bodensee

Dass Menschen in Häusern auf Pfählen im Wasser wohnen, ist auch heute nichts Ungewöhnliches. Derartige Wohnformen gibt es beispielsweise in vielen Regionen Asiens.

Dennoch ist der Pfahlbaukomplex um die Alpen für Mitteleuropa bemerkenswert. Die zugehörigen archäologischen Funde stammen aus der Zeit vom 5. bis in die Mitte des 1. Jahrtausends vor Christus.

2011 hat die UNESCO die "prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen" zum Weltkulturerbe erklärt. Darunter sind auch einige Fundstätten am Bodensee.

Pfahlbaukomplex Alpen, Alpenumland (unter anderem: Bodensee)

Auf Pfahlbauten zu leben war für die Menschen der Stein-, Kupfer- bzw. Bronzezeit in der Region keineswegs die einzige Lebensart, aber eine zeitweise sehr verbreitete. Die ältesten bislang bekannten Reste solcher Seeufersiedlungen im alpennahen Raum haben Archäologen im Lago di Varese gefunden und auf 5.100 vor Christus datiert. Im 4. Jahrtausend stieg die Anzahl der Pfahlbausiedlungen sprunghaft an. Ab dieser Zeit gab es auch im Bodensee eine ganze Reihe Pfahlbausiedlungen.

Die Bewohner lebten sowohl als Fischer, Jäger und Sammler an Land, als auch als Ackerbauern. Warum viele Menschen diese Siedlungsform wählten, wird unter Wissenschaftlern diskutiert. Es darf wohl angenommen werden, dass Sicherheit vor Raubtieren und anderen Menschen eine Rolle gespielt hat. Teilweise errichteten die Dorfbewohner zusätzlich auch Zäune und Schutzwände.

Wissenschaftler nehmen an, dass immer dann mehr Pfahlbaudörfer errichtet wurden, wenn sich allgemein viele Menschen in der Gegend ansiedelten. Es ist also denkbar, dass die Konkurrenz um (Nahrungs-)Ressourcen hoch war und manche Menschen einfach eine zusätzliche Nische besetzten, das Wohnen im Wasser.

Ein Haus im Pfahlbaumuseum
Pfahlbauhaus, Unteruhldingen

Fundstätten

Bis ins 1. Jahrtausend v. Chr. gab es an vielen Stellen im Bodensee Pfahlbausiedlungen. An einigen Orten haben Archäologen verhältnismäßig gut erhaltene Überreste gefunden.

Das 1922 gegründete Pfahlbaumuseum Unteruhldingen zeigt sehr anschaulich, wie damals Menschen in diesen Siedlungen lebten: In der Nähe der Fundstätte Unteruhldingen-Stollenwiesen wurde ein ganzes Pfahlbaudorf nachgebaut.

Beispiele für weitere Fundstellen sind das direkt gegenüber, auf der anderen Seeseite gelegene, Litzelstettener Krähenhorn, Konstanz-Hinterhausen (vor dem Seeuferweg), Wollmatingen-Langenrain (Wollmatinger Ried) ,Sipplingen, Bodman, Allensbach, Hornstaad-Hörnle (Gaienhofen/Horn), Wangen, Arbon oder die Inseln Werd bei Stein am Rhein.