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Konzil-Tagungsort Konstanz: Mittelalterliches Handels- und Industriezentrum

Handelsstadt Konstanz

Aus heutiger Sicht erscheint es zunächst etwas überraschend, dass das einzige Kirchenkonzil nördlich der Alpen ausgerechnet in Konstanz stattfand (1414 - 1418). Doch es war keineswegs Zufall, dass man die Stadt als Tagungsort wählte.

Konstanz war damals ein europäischer Verkehrsknotenpunkt. Einige internationale Handelsrouten verliefen über Konstanz bzw. die Bodenseeregion. Viele Würdenträger kannten die Stadt deswegen auch schon von ihren Reisen, z.B. nach Rom.

Und Konstanz war durch den internationalen Handel mit Leinenstoffen zu einigem Wohlstand gekommen. Insbesondere von der Mitte des 14. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts waren Stoffe aus Konstanz in den italienischen Handelsmetropolen Venedig, Mailand und Genua als „tela di Constanza“ bekannt und wurden in viele Regionen in und auch außerhalb Europas verkauft.

Bodensee: Wasserwege

Die Fernhandels-Straßen waren im Mittelalter oft in nicht allzu gutem Zustand. So waren Binnengewässer und Flüsse beliebt, um Waren zu transportieren. Deswegen war es auch kein Zufall, dass einige internationale Handelsstraßen am Bodensee zusammentrafen. Buchhorn (Friedrichshafen) und Lindau profitierten vom Fernhandel, wie auch Konstanz. Nach Italien hin war die Route über das Rheintal und Chur wichtig. Von Konstanz aus gab es einen Handelsweg über Land, der nach Straßburg führte. Auch wurden Güter über den Rhein in Richtung Schaffhausen gebracht, dort am Rheinfall in andere Boote umgeladen und weitertransportiert.

Leinen-Industrie

Vom 12. Jahrhundert an war die Bodenseeregion zunehmend nicht nur Durchgangsstation für den internationalen Fernhandel. Sondern es entwickelte sich dort auch eine stark exportorientierte Industrie. Bauern pflanzten Flachs bzw. Leinen an. Diese Faser wurde dann von Webern zu Stoffen verarbeitet, gebleicht und weiter veredelt.

Bis cirka 1460 war Konstanz das wichtigste Zentrum der Leinen-Industrie am Bodensee. Hier wurden die Stoffe weiterverarbeitet und von Händlern auf die Reise geschickt. Anfang des 15. Jahrhunderts war Konstanz eine weithin bekannte und wirtschaftlich mächtige Stadt.

Weber
Mittelalterlicher Webstuhl

Nach 1460 übernahm St. Gallen die Rolle von Konstanz und wurde durch den Leinen-Handel reich. Der Grund dafür, dass Konstanz an Bedeutung verlor, war, dass die Stadt ihren Einfluss auf das benachbarte eidgenössische Thurgau weitgehend verloren hatte und die dortigen Handelswege nicht mehr schützen konnte.

Konstanz zur Konzilzeit

Konstanz als Veranstaltungsort für das Kirchenkonzil auszuwählen war Anfang des 15. Jahrhunderts durchaus naheliegend. Die Stadt war für die Teilnehmer gut erreichbar. Um die durchschnittlich 20.000 anwesenden Konzilgäste zu versorgen, war es hilfreich, dass in Konstanz einige Handelsstraßen zusammenliefen. Konstanz war mit seinen 6.000 bis 8.000 Einwohnern für mittelalterliche Verhältnisse relativ groß. Mit dem Münster und dem 1391 von der Kaufmannschaft fertiggestellten Konzilgebäude verfügte die Bischofsstadt über gute Versammlungsstätten. Und man hatte zuvor Erfahrungen mit Konstanz als Versammlungsort gesammelt. So ließ hier schon Kaiser Friedrich Barbarossa 1153 einen Reichstag abhalten.