Konstanz-Magazin.de, Bodensee-Reiseführer Konstanz-Magazin.de, zur Navigation

Klima: Nebliger Wärmespeicher Bodensee

See kühlt Somerhitze, wärmt im Herbst

Der Bodensee ist der zweitgrößte See Mitteleuropas, gemessen am Wasservolumen. Seine 48 Kubikkilometer Wasser bilden einen großen Wärme- oder Kältespeicher. Heiße Sommertage sind in Konstanz weniger heiß als in Karlsruhe oder Stuttgart. Im Herbst wärmt der See die Umgebung, vor allem die Nächte sind dann milder als an anderen Orten im Süden Deutschlands. Und im Winter gibt es weniger Frost.

Nebel und kühleres Frühjahr

Sorgt der Bodensee also für ein Traumklima? Leider nicht! Vor allem im Winter sitzen die Konstanzer oft im Nebel oder Hochnebel, wenn der Rest des Landes sich über strahlenden Sonnenschein freut. Und im Frühjahr sorgt der See für kühlere Temperaturen. So beginnt die Frühjahrsblüte ungefähr zwei Wochen später als im leicht nördlicher gelegenen Freiburg im Breisgau.

Reisezeit

Welches ist nun die beste Zeit, um am Bodensee Urlaub zu machen?

Frühjahr

Das Frühjahr hat durchaus seine Reize, Ausflügler können viele weißblühende Obstbäume bewundern oder die Mainau zur Tulpenblüte besuchen. Aber, wie gesagt, es ist dann ein bisschen kühler als anderswo im Süden.

Sommer

An heißen Sommertagen lädt der See zum Baden ein oder zum Radfahren entlang des Bodensee-Radwegs. Im Sommer ist aber auch Hochsaison und Einsamkeit findet sich dann allenfalls im Hinterland.

Herbst

Der Herbst kann wunderschön und milde sein, vor allem der Spätherbst aber auch schon neblig und grau, wie auch der Winter.

Feld nach Unwetter
Klimawandel: Ernteschäden, nach Unwetter,
Seerücken (2009)
(Bild: Sven Jaenecke, www.jfoto.de)

Winter

Im Winter strahlt der Bodensee vor allem Ruhe aus. Und mit etwas Glück können sich Konstanzer und Gäste dann doch über viel Sonnenschein freuen. So war der Winter 2007/2008 recht sonnig. Der Winter 2008/2009 war dann aber wieder ausgesprochen neblig und grau. Die Winter 2010/2011, 2011/2012 und 2012/2013 waren für Konstanzer Verhältnisse nicht ungewöhnlich neblig, aber halt grauer als im Rest der Republik.

Klimawandel

Der Klimawandel macht sich auch am Bodensee seit vielen Jahren deutlich bemerkbar.

Badesaison

Die Badesaison ist oft merklich verlängert. Das Wetter ist unberechenbarer geworden. 2007, 2011, 2012 sowie 2014 und 2015 gab es schon Ende März/Anfang April viel Sonne und Temperaturen von bis zu fast 30 Grad. Der Juli 2011 war hingegen ungewöhnlich verregnet und kühl. Auch sehr starke Unwetter sind häufiger geworden. Wassersportler sind daher gut beraten, die Sturmwarnungen ernst zu nehmen.

Wärmere Winter, aber häufiger arktische Kaltluft

Im Winter sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten nur noch die sehr flachen Uferbereiche zugefroren, wenn überhaupt. Allerdings könnte sich dieser Trend mit dem schon sehr weit fortgeschrittenen Klimawandel wieder umkehren. Forscher des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung warnen seit 2010 vor folgendem Szenario: Die Eisdecke über der Arktis schwindet und infolgedessen bleiben immer öfter die für Europa so vorteilhaften Westwindwetterlagen aus. Immer häufiger kann arktische Kaltluft direkt nach Europa vordringen. Ob die sehr kalten Februartage 2012 in einem ansonsten ungewöhnlich warmen Winter hierauf nur ein Vorgeschmack waren?

Gondelhafen Konstanz, Eis
Februar 2012: Extreme Kälte
(Bild: Sven Jaenecke, www.jfoto.de)

Der darauf folgende Winter 2012/2013 war lang anhaltend kalt, es gab aber keine sehr kalte Phase. 2013/2014 gab es wieder einen sehr warmen Winter ohne wirkliche Kältephase. Solche beständigen warmen oder kalten Wetterlagen könnten dem Deutschen Wetterdienst zufolge häufiger werden. Allerdings seien die entsprechenden Theorien noch unsicher. Vielleicht gibt es dann in Zukunft abwechselnd mal sehr kalte und dann wieder sehr warme Winter.

Auf alle Fälle beeinflusst der Bodensee das Klima im Umland spürbar. Und manchmal erfreut der See Einheimische und Touristen damit und manchmal ärgert er sie auch.