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Konstanzer Konzil: Jan Hus

Jan Hus wurde um 1369 geboren und 1415 vor den Toren von Konstanz auf dem Scheiterhaufen ermordet.

Seine Lehre

Jan Hus propagierte eine dem Volk dienende Kirche. Einziges Haupt dieser Kirche könne Jesus sein. Aufgabe der Geistlichen sei es, den Gläubigen zu dienen. Er kritisierte, dass die Geistlichen die Menschen unterdrückten und beraubten, anstatt ihnen zu helfen. Scharf verurteilte er das Streben der Kirche nach materiellem Gewinn. Die Kirche sah er als hierarchiefreie Gemeinschaft. Auch die Gläubigen könnten Geistliche für deren Sünden tadeln. Mit dieser Lehrmeinung stellte er natürlich die Autorität der Kirche und des Papstes in Frage.

Sein Lebensweg

Hus hatte Theologie studiert. 1402 wurde er Professor an der Prager Universität und von 1409 bis 1410 war er dort Rektor. 1411 exkommunizierte ihn die Kirche. Jan Hus war bei der Prager Bevölkerung ausgesprochen beliebt und der König gestattete ihm zunächst weiter zu lehren. 1412 musste Hus dann fliehen. Bis 1414 wirkte er als Wanderprediger und verfasste mehrere Schriften. Ihm wird auch ein wesentlicher Beitrag beim Entstehen der Tschechischen Schriftsprache zugerechnet.

Hus beim Konzil
Hus auf dem Konzil, Gemälde von Lessing

Jan Hus und das Konstanzer Konzil

Jan Hus kam Anfang November 1414 in Konstanz an, um dem Kirchenkonzil beizuwohnen. Ihm war vom König Sigismund freies Geleit zugesichert worden. Drei Wochen konnte Hus in einer Herberge predigen, dann wurde er gefangen genommen. Die Kirchenvertreter forderten von ihm, dass er seine Lehre, die Kritik an der Kirche, öffentlich widerruft. Jan Hus blieb standhaft. Er wurde am 6. Juli 1415 von der Konzilversammlung im Konstanzer Münster zum Feuertod verurteilt. Noch am selben Tag wurde Jan Hus vor den Stadtmauern auf dem Scheiterhaufen ermordet.

Jan Hus, die Tschechischen Republik und Tábor

Der Todestag von Jan Hus, der 6. Juli, ist in der Tschechischen Republik Staatsfeiertag. Die Ermordung von Jan Hus wird auch mit den 1419 beginnenden Hussitenkriegen in Verbindung gebracht. Die revolutionäre hussitische Bewegung hatte einen religiös-reformistischen Hintergrund, richtete sich aber auch gegen das deutsche Establishment im Königreich Böhmen und war national geprägt. Sie spielte eine wichtige Rolle auf dem Weg zum heutigen tschechischen Staat. Eine radikale Untergruppe der Hussiten, die Taboriten haben 1420 die Stadt Tábor gegründet. Und Tabor ist heute eine der Konstanzer Partnerstädte.