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Träume von Beton und Öl: Die verrückten 1960er Jahre am Bodensee

Einleitung

Unberührte weiträumige Wildnis gibt es nicht am Bodensee. Der Siedlungsdruck ist hoch. Die meisten der vielen Wasservögel, die am See überwintern, finden hier deswegen keinen geeigneten Platz, um ein Nest zu bauen. Wenn es warm wird, ziehen sie weiter. Aber immerhin: Die Bodensee-Region ist für Touristen attraktiv geblieben. Zur warmen Jahreszeit lässt es sich hier gut aushalten. Den hiesigen Firmen fällt es leicht, Fachkräfte zu finden. Wer wohnt nicht gerne da, wo andere Urlaub machen? Die Gegend ist reich und der Wirtschaft geht es richtig gut. Das liegt nicht zuletzt an der gebliebenen landschaftlichen Schönheit. Der Bodenseeraum hätte aber auch ein hässlicher und wirtschaftsschwacher Güterverkehrsknotenpunkt werden können. Und an einer richtig großen Ökokatastrophe ist man auch nur ganz knapp vorbeigekommen.

Realisiert: Die Bodensee-Ufer-Pipeline

Ende Juni 1965 zerstörten ein Sturm und eine Hochwasserwelle eine gerade fertiggestellte internationale Ölpipeline unmittelbar am Bodenseeufer bei Bregenz. Glücklicherweise war die Pipeline noch nicht in Betrieb. Ansonsten hätte es im Bodensee und Rhein eine riesige Umweltkatastrophe gegeben. Und Millionen Menschen hätten kein Trinkwasser mehr gehabt. Die Pipeline Genua-Bregenz-Ingolstadt nahm später tatsächlich ihre Arbeit auf und wurde 1997 stillgelegt. Mit viel Glück ist die Geschichte für den See gut ausgegangen.

Fast realisiert: Die Güterschiffstrasse Bodensee-Rhein-Nordsee

Man muss nur mal auf eine Karte gucken: Bregenz wäre ein perfekter Hafen für die Güter-Binnenschifffahrt. Auf Autobahnen von Genua und Triest könnten Güter nach Bregenz gebracht werden und von dort über den Bodensee und Rhein bis in die Nordsee. Bregenz hätte ohne jede Frage das Potenzial gehabt, ein riesiger internationaler Verkehrsknotenpunkt zu werden. Der Gedanke erscheint heute völlig aberwitzig, der Gegend würde es wirtschaftlich wesentlich schlechter gehen. Der touristische Wert der gesamten Bodensee-Region wäre komplett zerstört worden. Aber fast wäre es so gekommen. Es gibt nur ein Hindernis, dass dies verhindert hat: Der Rheinfall bei Schaffhausen. Und es gab immer wieder Pläne diesen schiffbar zu machen. Zuletzt wurde in den 1960er Jahren sehr intensiv darüber diskutiert. 1973 setzte ein Volksentscheid im Thurgau diesen aus heutiger Sicht verrückt erscheinenden Plänen ein Ende.

Autofähre Konstanz-Meersburg
Schwimmende Brücke statt seeteilende Schnellstraße:
Und das gibt's schon seit 1928:
Die Autofähre Konstanz-Meersburg

Fast realisiert: Autobrücke statt Fähre über den Bodensee

Man muss ein Mal die leuchtenden Augen von Touristen gesehen haben, wenn diese an einem warmen Sommerabend mit dem Schiff zur Mainau fahren oder z.B. von Konstanz nach Überlingen. Auch hier gilt: Glück gehabt, dass es das noch gibt. Seit 1963 bis in die 1970er Jahre hinein wurde diskutiert, eine Brücke (für Autos) von Meersburg nach Konstanz zu bauen. Ein Förderverein wurde gegründet und die örtliche IHK warb intensiv für diese Idee. Zunächst brachten die Befürworter verschiedene klassische Brückenvarianten ins Spiel. Dann wollten die Brückenfans den Kritikern wohl entgegenkommen und präsentierten den Plan, eine flache, schwimmende "Ponton-Brücke" zu verlegen. Diese sollte relative "unauffällig" aussehen. Aber Schiffe, Segelboote, Kanus etc. hätten die Brücke nicht passieren können, ganz zu schweigen von Tieren. Der Plan hört sich aus heutiger Sicht ziemlich verrückt an. Es ging nur um wenige Minuten Zeitersparnis gegenüber der Autofähre Konstanz-Meersburg. Aber diese "Seeteilung" wurde ernsthaft diskutiert.