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Konzil: Papstwahl in Konstanz

Von 1414 bis 1418 fand in Konstanz ein Kirchenkonzil statt, das einzige Kirchenkonzil, das jemals nördlich der Alpen abgehalten wurde. Von 1378 an war die katholische Kirche gespalten. Dieses sogenannte Abendländische Schisma wurde 1417 in Konstanz beendet. Von 1378 bis 1409 konkurrierten jeweils zwei Päpste in Rom und Avignon. Ein erster Versuch der Wiedervereinigung scheiterte 1409 in Pisa, mit dem Ergebnis, dass es zwischen 1409 und 1415 sogar drei konkurrierende Päpste gab. 1417 wurde der Kardinal Oddo di Colonna als Martin V. zum Papst der wiedervereinigten Kirche gewählt.

Martin V., Papstkrönung
"Krönung" Martin des V. zum Papst

Die drei Päpste

Was war mit den drei konkurrierenden Päpsten geschehen? Der „Pisanische“ Papst Johannes XXIII. hatte sich Hoffnungen gemacht, von der Kirchenversammlung in Konstanz, dem Konzil, zum alleinigen Papst gewählt zu werden und war nach Konstanz gereist. Als er seine Chancen schwinden sah, floh er 1415 in „den Kleidern eines Pfaffen“ aus der Stadt, wurde aber festgenommen und drei Jahre gefangengehalten. Kurz nach seiner Freilassung verstarb er. Der römische Gegenpapst Georg XII. dankte 1415 ab. Der in Avignon residierende Benedikt XII. wurde 1417 abgesetzt.

Jan Hus

Der tschechische Reformator Jan Hus wurde 1415 in Konstanz verbrannt. Der zum Konzil ebenfalls in der Stadt weilende König Sigismund hatte Hus mit einem vage formulierten Versprechen freien Geleits zur Anreise bewegt. Man machte Jan Hus aber im Konstanzer Münster den Prozess und richtete ihn schließlich westlich der Stadtmauern auf dem Scheiterhaufen hin.

Tagungsort Konstanz

Warum fand dieser mittelalterliche Mammutkongress ausgerechnet in Konstanz statt? Anfang des 15. Jahrhunderts zählte Konstanz zwischen 6.000 und 8.000 Einwohner, galt für damalige Maßstäbe aber als durchaus groß. Konstanz hatte enge Handelskontakte nach Italien, war somit international, wohlhabend und Bischofssitz. 1391 wurde ein großes Versammlungs- und Lagerhaus fertiggestellt, das „Konzil“, in dem 1417 Martin der V. gewählt wurde. Die räumliche Situation für solch eine Großveranstaltung war gut. Aus allen Nähten platzte Konstanz dennoch. Im Schnitt sollen während des vierjährigen Konzils 20.000 Besucher in der Stadt geweilt haben, insgesamt 50.000 bis 70.000. Der Kongress dauerte wesentlich länger als ursprünglich geplant. Der König gewährte Konstanz nach dem Kirchenkonzil zusätzliche Rechte. Seitdem trägt das Konstanzer Wappen seinen oberen roten Balken, der die Blutgerichtsbarkeit symbolisiert.