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Vom Skandal zum Wahrzeichen: Die Imperia

Literarisches Vorbild

Eine leicht bekleidete, neun Meter hohe Dame thront über dem Konstanzer Hafen, die Imperia. Ihr Schöpfer, der Bildhauer Peter Lenk, ließ sich von Honoré Balzacs Erzählung „La belle Impéria“ inspirieren. Balzacs Imperia ist eine Kurtisane, die zum Kirchenkonzil (1414-1418) in Konstanz weilt. In Balzacs Erzählung heißt es:
„Die Höchsten wie die Kühnsten umwarben sie, ein Wink von ihr konnte einem das Leben kosten, und selbst unerbittliche Tugendbolde krochen bei ihr auf den Leim und tanzten gleich den andern nach ihrer Pfeife.“
Ganz in diesem Sinne hält Peter Lenks Imperia einen winzigen Papst und Kaiser in ihren Händen.

Kirchenkonzil

Peter Lenks Skulptur hat nicht nur einen literarischen Kern, sondern auch einen historischen. Zum spätmittelalterlichen Kirchenkongress weilten etliche Freudenmädchen in Konstanz, der Chronist Ulrich Richental sprach von 700.

Imperia, Hafeneinfahrt, Bodensee
Die Konstanzer Hafeneinfahrt mit der Imperia

Anfängliche Debatten

1993 wurde die Imperia in einer Überraschungs-aktion nachts aufgestellt. Zuvor hatte es Kontroversen im Gemeinderat um die Figur gegeben. Solch eine satirische Darstellung von Papst und Kaiser war manchen dann doch zu viel. Das erzbischöfliche Ordinariat in Freiburg befand, die Darstellung sei "geschmacklos und geeignet, den religiösen Frieden zu beeinträchtigen". Die Kontroverse um die Imperia fand ein bundesweites Echo, unter anderem berichteten die Zeit und der Spiegel davon. Letztendlich konnten die Konstanzer Gemeinderäte aber nicht verhindern, dass die Imperia aufgestellt wird. Das Hafengelände, das sie nun schmückt, gehört der Deutschen Bundesbahn. Und die war einverstanden.

Konstanzer Wahrzeichzen

Tagsüber dreht sich die Imperia alle drei Minuten um die eigene Achse. Und mittlerweile ist die 18 Tonnen schwere Skulptur zum Konstanzer Wahrzeichen geworden und kaum mehr aus der Stadt wegzudenken.

Video: Imperia-Drehung im Zeitraffer
(10 mal schneller als real)